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Partys, Partyspiele, Partyküsse
Was auf Partys seit Jahren nervt und doch bleibt.
 Ich hatte neulich das zweifelhafte Vergnügen, mal wieder auf einer ganz normalen Party zu sein. Eigentlich bin ich schon in dem Zeitalter angekommen, in dem man eher frühstücken geht und Kaffeklatsch macht, und Partys langsam ihren Reiz verlieren und bedeutend seltener werden. Aber wie gesagt, neulich war ich auf einer Party. Und ich habe dabei festgestellt, dass sich Partys an sich immer ähneln. Wenn Leute aus unterschiedlichen Lebensbereichen eingeladen sind, sitzen sie zu Beginn in genau diesen Gruppierungen und reden nur mit den eigenen Leuten. Erst wenn alle satt sind und selbst mit dem Weiteressen aus Gewohnheit aufgehört haben, wenden sich die unterschiedlichen Gruppen vielleicht einander zu. Oder auch nicht. Hängt von der Offenheit der Leute ab.
Vorteilhaft auf die Gruppendynamik wirkt sich immer aus, nur einen Aufenthaltsort für alle zu haben. Das nötigt die Gespräche beinahe dazu, zu einem großen Gruppengespräch zu verschmelzen. Wenn die Party aber in einer Wohnung mit mehreren Zimmern stattfindet, ist es schon schwieriger. An dieser Stelle immer was Schönes ist dann ein Gastgeber, der in die Hände klatscht und übertrieben fröhlich ruft: "Jetzt lasst uns doch mal alle was zusammen spielen!" Dann weiß selbst der ruhigste Partygast, dass es jetzt anstrengend wird.
 Bestimmte Menschenschläge haben bestimmte Vorlieben, was Partyspiele angeht. Sportler und Fummler können zum Beispiel eine Leidenschaft für Twister teilen. Rampensäue spielen gern Scharade und alle, die sich was auf ihre Allgemeinbildung einbilden, Trivial Pursuit. Soziologen ziehen Therapy vor und Diskutierer Spiele wie Mafiosi. Muss man sich nur für ein Spiel entscheiden. Da macht einem aber die Unterschiedlichkeit der Partygäste einen Strich durch die Rechnung. Denn auf keiner Party der Welt sind ausschließlich Gäste von einem Schlag. Aber selbst wenn man sich als ganze Gruppe auf ein Spiel einigen konnte, heißt das noch lange nicht, dass alle erfreut mitspielen. Denn auf nahezu jeder Party gibt es mindestens ein Pärchen, das die große Runde für den geeigneten Schauplatz hält, eine ausgiebige "Mandel-OP" vorzunehmen. Warum sich manche Paare ihre Zärtlichkeiten fürs große Publikum aufheben, ist allerdings eine Sache, die sich gänzlich meinem Verständnis  entzieht. Ist es irgendwie toller, wenn man knutscht und es gleichzeitig schafft, alle zu irritieren und zu nerven? Oder ist bei solchen Paaren die Luft schon raus, sodass nur noch Effekthascherei-Knutschen reizvoll ist?
Als eine Freundin und ich einmal unseren Geburtstag zusammen feierten, beugten wir dem Partyknutscher-Phänomen rigoros vor, indem wir in der Wohnung einen Nervige-Paare-Abstellraum einplanten. Und es wirkte! Allein die Androhung der Abschiebung in eben diesen Rau m reichte aus, dass sich alle wie zivilisierte Menschen benahmen. Aber ich frage mich dennoch, warum es Pärchen gibt, denen es wichtiger ist, dass alle merken "wie doll sie auf einander stehen", als dass intime Momente wirklich intim sind. Statt einander in vertrauter Zweisamkeit zu genießen, stellen sie die Vertrautheit zur Schau und zerren alle Zuschauer regelrecht mit in ihr Bett, ob sie wollen oder nicht.
Leute, ich hab nichts gegen Pärchen. Auch Knutschen finde ich im Grunde schön, aber alles zu seiner Zeit und an seinem Ort. Ich möchte nicht in die Intimsphäre von anderen mit hineingezogen werden. Wirklich nicht. Stattdessen würde ich gerne jedem Pärchen, das sich inmitten anderer ausgiebig den Hals leckt, nur einen Satz angewidert entgegen schreien: GET A ROOM!
  

Quelle: questionlife

 
 
 
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Dorothea Lehmann
 
 
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