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Dress for the Moment
Der Modewahnsinn
 Es ist interessant zu beobachten, wie sehr der Mensch auf Belanglosigkeiten fixiert ist. Wo man geht und steht, wird man stets nach dem beurteilt, was am leichtesten am Menschen zu verändern ist: Kleidung, Make-Up und Frisur. Die Leute sagen, man soll man selbst sein und es käme auf die inneren Werte an, aber wehe, wenn die inneren Werte äußerlich nicht richtig repräsentiert werden.
Die gute braune Hose
Das erste Mal kam ich in der fünften Klasse mit Mode-Snobismus in Berührung. Ich war gerade von der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt, praktisch noch ein Kind, musste gerade noch verkraften, dass man mit zehn keine rosa Cordhosen mehr tragen darf, da wurde ich von einer Klassenkameradin gefragt, ob es mir nicht peinlich sei, eine braune Hose zu tragen. Ich konnte auf diese Frage nicht antworten, selbst wenn ich gewollt hätte, denn über sowas hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht. Warum auch? Anziehsachen waren zum anziehen da, und was das betraf, leistete die braune Hose gute Arbeit. Dass sie noch andere Qualitäten haben musste, hatte ich noch nie gehört. Aber man lernt, wenn auch schwer. Dass Chucks nur von All Star tragbar sind und "Aldichucks" schlimmer sind als gar keine, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.
Modebewusstsein vs. Stilbewusstsein
Wenn es nur darum ginge, Stilbewusstsein zu entwickeln und zu lernen, wie man sich am vorteilhaftesten kleidet, hätte ich keine Einwände. Aber wenn es als modischer Volltreffer bezeichnet wird, wenn Gwyneth Paltrow zu den Oscars ein rosa Kleid trägt, nur weil es gerade "in" ist, obwohl ihr jeder Typ-Berater sagen könnte, dass diese Farbe ihrem Teint nur wenig schmeichelt, kommen bei mir Bedenken auf. Offensichtlich geht es bei der Mode mehr darum, zu tragen, was alle tragen, anstatt zu tragen, was einem steht. Als es vor ein paar Jahren wieder "in" wurde, sich im Stil der Achtziger zu kleiden, so mit Stulpen und kragenlosen T-Shirts, war es doch amüsant zu beobachten, wie gerade die Leute, die nur wenig vorher noch im Fernsehen die Achtziger als Jahrzehnt der Modeflops bezeichnet hatten, sich voller Wonne auf diesen Trend stürzten.
Ich verstehe nur nicht, warum es so toll sein soll, sich selbst zu verleugnen und sich ungeachtet seiner körperlichen Gegebenheiten zu kleiden. Ich bin zwar niemand, der mit seiner Kleidung auf jeden Fall gleich ein politisches Statement von sich geben will, aber meiner Meinung nach sollte mein Stil aussagen, dass ich mich kenne und weiß, wie ich mich mittels Klamotten, Make-Up und Frisur am besten zur Geltung bringe. Und wenn das heißt, dass meine Sonnenbrille nicht die Form hat, die hippe Sonnenbrillen gerade haben.
Don't look back...
Gerade ist der Hosentrend ja wieder mal bei Karotten angelangt und ich hoffe inständig, dass sich das bald wieder gibt, weil Karottenhosen fast nie vorteilhaft sind. Auch Bonbon-Farben, die jetzt wieder in Mode sind, stehen mir nicht besonders. Wenn man vom Typ her den aktuellen Modetrend nicht tragen kann, bleiben einem im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Entweder hofft man, dass der Trend bald eine ansprechendere Richtung einschlägt, oder man trägt das Zeug, ist vielleicht cool, bestimmt aber unvorteilhaft gekleidet. Und natürlich drängen die Bekleidungsfirmen einen dazu, letzteres zu tun. Denn wenn es der weiblichen Begeisterung fürs Shoppen auch zuträglich ist, so zwingt die Kurzlebigkeit der Produkte der marktführenden Textilhändler einen doch, auch gelegentlich Klamotten zu tragen, die einem nicht stehen. Einfach, weil man sonst nur noch kaputte zur Auswahl hat.
Man muss sich also an das Model in einem Werbespot eines bekannten Modehauses halten, das mit viel Rumprobieren voller Bedacht das richtige Outfit auswählt, um beim Sprung vom Hochhaus in den Tod wenigstens nicht ins Modeklo zu greifen. Dress for the Moment and don´t look back. As long as you´re "in" nothing matters.
Nur was, wenn blutrot grade nicht "in" ist?
  

Quelle: questionlife

 
 
 
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Dorothea Lehmann
 
 
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